Grüner Veltliner Looos Kamptal DAC-Reserve Lengenfelder Pfeiffenberg 2011

Grüner Veltliner Looos Kamptal DAC-Reserve Lengenfelder Pfeiffenberg 2011

Grüner Veltliner ist DIE weiße Rebsorte Österreichs. Die im 16. Jahrhundert in Niederösterreich durch natürliche Kreuzung (ohne menschliches Zutun) entstandene Rebsorte wird heute auf 13.000 ha in Österreich angebaut, was gut 30% der gesamten Rebfläche der Alpenrepublik ausmacht. Im Ausland sind zwar die Weine aus dieser Rebsorte sehr beliebt, angebaut wird sie dort kaum. In der Schweiz steht gerade mal ein halber Hektar, in Deutschland etwa sechs (empfehlen kann ich die Grünen Veltliner der beiden Pfälzer Weingüter Weegmüller und Lukas Kraus). In Übersee ist man in den letzten Jahren erst auf GV aufmerksam geworden, hat es aber z.B. in Neuseeland schon auf 40 ha gebracht. Aus Australien und den USA gibt es sogar schon erste Meldungen über Erfolge bei Verkostungen.

Die berühmtesten Grünen Veltliner sind sicher die trockenen Smaragd-Weine aus der Wachau (Smaragd ist ein Prädikat für Spitzenweine, vergleichbar mit „Spätlese trocken“ in Deutschland). Die edelsten dieser Wachauer Spitzenweine erreichen Preise von 30 bis weit über 100 Euro. Trotzdem sind nicht alle Weinfreunde vom Stil der Wachauer Veltliner-Smaragde begeistert. Die Kritik richtet sich dabei weniger gegen den regelmäßig recht hohen Alkoholgehalt, da die auch sonst intensiven Weine dies meist noch recht gut wegstecken, sie richtet sich vielmehr gegen die oft deutlichen Botrytisnoten und den zu hohen Restzuckergehalt der als trocken ausgezeichneten Weine. Manche Veltliner-Fans mögen die Weine genau so wie sie sind, viele andere wünschen sich die Weine deutlich trockener und ohne den gut schmeckbaren Einfluss edelfauler Botrytistrauben, da die Weine dann ihren Lagencharakter viel deutlicher zeigen können und mit zunehmender Reife nicht so schwerfällig und breit werden.


Genau diese Zielgruppe will die neu gegründete Loos-Weine-GmbH mit ihrem ersten Weinprojekt Looos ansprechen. Der Erstlingswein LOOOS 2011 hat gerade einmal 1,5 Gramm Restzucker und wurde ausschließlich aus gesundem Traubenmaterial gekeltert.

Hinter der Loos-Weine-GmbH stehen neben dem als CaptainCork bekannten Manfred Klimek die Investoren Sabine Decleva und Peter Mosser, die – wie Klimek selbst – aus der Medienbranche kommen. Klimek hat dabei die Verantwortung für den Weinausbau übernommen. Loos ist bereits das zweite Weinprojekt des in Berlin lebenden Fotografen. Seit bald 10 Jahren betreibt er mit zwei anderen Teilhabern die Fattoria Kappa in der für ihre Supertuscan berühmten Toskana-Gemeinde Bolgheri. Kappa hat sich zum echten Erfolgsprojekt entwickelt, die jährlich erzeugten 15.000 bis 20.000 Flaschen sind regelmäßig in Windeseile ausverkauft (Marktpreis etwa 25 Euro) und auch die Bewertungen können sich sehen lassen: je 93 Punkte im Falstaff und dem italienischen Weinguide Veronelli).

Genau wie Kappa soll Loos kein Spaß- oder Selbstverwirklichungsprojekt werden, wie man es von einer Reihe von Prominenten kennt, sondern für die drei Teilhaber Gewinn erwirtschaften. Die Veltlinerreben auf der gepachteten Fläche wurden größtenteils vor rund 30 Jahren angelegt, ein kleiner Teil ist bereits 60 jahre alt. Es soll auch nicht nur bei einem Wein bleiben, weitere Projektweine aus den Rebsorten Neuburger und Traminer sind für die Zukunft geplant.

Aus dem Pressetext der Erzeuger:

Die Loos-Weine-GmbH hat sich zum Ziel gesetzt, kleine, edle, feine und charakterstarke Weine zu keltern, die mehrheitlich in der Lage und im Terroir verankert sind. Die Traubensorte tritt dabei in den Hintergrund, ohne ihre Eigenart aufgeben zu müssen. Die Weine sind schnörkellos, geradlinig, ungeschönt und meist in natürlichen und naturnahen Verfahren (z.B. Spontanvergärung) hergestellt.

Der erste Wein der neu gegründeten Loos-Weine GmbH ist der Grüne Veltliner LOOOS Kamptal DAC-Reserve „Lengenfelder Pfeiffenberg“ 2011, den Loos-Weine gemeinsam mit Walter Buchegger, einem der führenden Qualitätswinzer des Weinbaugebietes Kremstal, gekeltert haben. Weinmacher Manfred Klimek und Winzer Walter Buchegger sehen den Veltliner LOOOS als Ergänzung und Erweiterung der bisher im Handel erhältlichen Weine dieser lebendigen, feinnervigen und von pfeffriger Würzaromatik geprägten Sorte. Der LOOOS 2011 wurde aus hundertprozentig gesundem Traubenmaterial gekeltert (keine Botrytis), die Reben sind im mittleren Alter und wurzeln tief in den Glimmerschieferböden von Lengenfeld. Das Wichtigste jedoch ist die hohe Lage der Weingärten: die Trauben für LOOOS wachsen auf über 400 Meter Seehöhe, hinter den Stöcken beginnt bereits der Mischwald der böhmischen Platte und danach die Zone, in der Weinbau zur Zeit nicht möglich erscheint. Der Veltliner LOOOS ist also ein echter und nicht nur propagierter Grenzgänger, knochentrocken, mineralisch, schlank, delikat und mit einigem Lagerpotential ausgestattet.

Die Klimaerwärmung der letzten Jahre hat die lange Zeit uninteressanten und risikoreichen Weingärten des LOOOS nun gut verwertbar gemacht; das Potential wird in den nächsten Jahren noch wachsen und das österreichische Veltliner-Sortiment mit ein paar ausdrucksstarken Weinen bereichern. Vom ersten Jahrgang des LOOOS wurden lediglich 4200 Flaschen gefüllt.

Grüner Veltliner Looos Kamptal DAC-Reserve Lengenfelder Pfeiffenberg 2011
Der Wein zeigt sich in hellem gelb, wirkt direkt nach dem Aufschrauben in der Nase reduktiv mit leichtem Lösungsmittelton und gemüsigen Geruchsnoten. Der Lösungsmittelton ist aber schon nach 2 Minuten komplett verschwunden, die gemüsigen Noten gehen nach und nach auch zurück, nur ein leichter vegitabiler Eindruck bleibt noch eine Weile. Fruchtaromen sind in der Nase kaum wahrnehmbar. Auch im Mund wenig Frucht, maximal ein Hauch Grapefruit. Der Wein ist absolut trocken, hat für einen 2011er eine wunderbar erfrischende Säure. Auch die 13% Alc. sind gut eingebunden, verursachen nur eine leichte, nicht störende Schärfe und ein erstaunlich cremiges Mundgefühl. Je länger der Wein geöffnet ist, um so mineralischer wirkt er und umso mehr trifft er meinen Geschmack. Nach einigen Stunden ist auch der vegitabile Eindruck verschwunden, dafür kann ich einen Hauch Süßholz, Lakritz und Kräuternoten wahrnehmen. Der Wein hat auf jeden Fall gutes Reifepotential. Spannend wird zu sehen sein, wie sich das angesichts der anfänglich reduktiven Noten unter dem Schrauber entwickelt. Wer ihn jung trinken will, sollte ihm vorher mindestens eine Stunde im Dekanter gönnen.

Technische Daten:
13% Alkohol
6,0 Gramm Säure
1,5 Gramm Restzucker

In Deutschland ist Looos für 17 Euro bei WeinART zu beziehen.
In Österreich kann man den Wein direkt beim Hersteller bestellen:

LOOS Weine GmbH
Arsenal 12/87, 1030 Wien
office@looos.eu

2 Kommentare

    • Christian Segers - Weinnase - auf 12. Januar 2013 bei 08:46
    • Antworten

    Kein Quantensprung und wo ist dies neu ?

    Danke für den Post . Dazu hab ich noch
    watt aufgeschnappt :
    Neue Ideen haben immer
    alte Gegener ( Kritiker) !

    Viel Erfolg mit den > zumeist spontanvergorenen
    Weinen kann man den Machern dfa nur wünschen. Es
    wurden die Zeichen der Zeit klar erkannt ! Bin
    sehr gespannt , wie si mir ( uns ) denn im Glas
    und mal gereift schmecken werden ! LG CpS 🙂 !

  1. Dem Kritikpunkt von zu hohen Restzucker kann ich nicht nachempfinden. Smaragd darf ja gar nicht mehr als 9 Gramm Restzucker aufweisen – ist zugegeben schon etwas hoch, jedoch sind viele deutlich unter 4 Gramm.

    Bei meinem gestrigen Besuch in der Wachau ist mir übrigens eine sehr hoher Alkoholgehalt bei den 2012ern aufgefallen. 14 Vol. % sind keine Seltenheit bei den Smaragden

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