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Jan 30

Peter Fischer und sein Château Revelette

Einer der spannendsten Süßweine in Frankreichs Süden stammt von einem deutschen Winzer, der sein Handwerk allerdings komplett im Ausland erlernt hat. Peter Fischer, 1959 in Bühl bei Baden geborener Urahn des UHU-Alleskleber-Erfinders August Fischer, ging nach dem Abitur in der Schweiz zu einem Farmpraktikum in die USA, worauf ein Weinbaustudium an der renommierten University of California in Davis folgte. Nach dem Studienabschluss folgten Praxiszeiten im bekannten Weingut Buena-Vista in Sonoma und einem italienischen Weingut. Als Peter Fischer 1984 dann mit Emmanuel Gaujal in einem önologischen Institut in der Provence arbeitete und auf der Suche nach einem für ihn geeigneten Betrieb war, entdeckt er das aus dem 17. Jahrhundert stammende Château Revelette in Jouques (30 km nördlich von Aix-en-Provence), auf dessen 90 Hektar Fläche zwar nur noch ca. 10 ha für Fasswein-Anbau genutzt wurden, das sich aber mit seinem Syrahbestand und mit idealen klimatischen Bedingungen von den vielen anderen in dieser Zeit angebotenen Betrieben abhob.

Im Süden wird das in einer Höhe von 330 bis 400 Meter liegende Anwesen durch die berühmte Montagne St. Victoire von den klimatischen Einflüssen des Mittelmeers abgeschirmt. So entsteht ein spezielles Mikroklima mit ungewöhnlich kühlen Wintern und sehr heißen Sommern und einem milden Herbst. Laut Fischer herrscht hier das kühlste Klima der Provence mit regelmäßigen Temperaturunterschieden von 20 Grad zwischen Tag und Nacht.

1985 konnte Familie Fischer das Weingut übernehmen und der gerade mal 26-jährige Peter Fischer übernahm die Verantwortung vor Ort. Er stellte konsequent auf biologischen und qualitätsorientierten Anbau um und vergrößerte den Betrieb wieder auf zwölf Parzellen mit insgesamt 24-25 ha (vor einigen Jahrzehnten, noch unter den Vorbesitzern, hatte Château Revelette einmal 40 ha). Größer soll es nicht mehr werden, da sonst die Bearbeitung nicht mehr wie bisher im kleinen Team mit nur drei ganzjährig beschäftigten Mitarbeitern möglich wäre. Peter Fischer scheint hier endgültig angekommen zu sein, ist nun mehr als 25 Jahre in dem kleinen Provence-Ort zuhause und verheiratet mit Sandra, der Tochter des Vorbesitzers von Château Revelette, mit der er auch zwei gemeinsame Kinder hat.

Von Château Revelette werden neun Rebsorten angebaut:
Rot: Syrah, Grenache, Cabernet Sauvignon, Carignan, Cinsault
Weiß: Ugni Blanc, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Rolle (Vermentino)

Château Revelette ist von Ecocert als biologisch arbeitendes Weingut zertifiziert und arbeitet de facto sogar biodynamisch, will aber nicht auf die teilweise ideologisch fragwürdige aktuellen BioDyn-Welle aufspringen. Es wird also nicht nur auf chemische Spritzmittel, Enzyme oder Zuchthefen verzichtet (also spontan vergoren), gedüngt wird mit Schafsmist, gespritzt mit Algenextrakt und ausgebaut wird nicht wie heute meist üblich in Stahltanks, sondern in temperaturstabileren Betontanks und in an historische Weinamphoren erinnernde Zementeiern, die von Biowein-Pionier Daniel Schlaepfer konstruiert wurden. Stahl sei nicht ideal, da er statisch aufgeladen sei, wodurch der Wein nicht zur Ruhe komme und außerdem nicht atmen könne. Auf Sulfite kann natürlich nicht komplett verzichtet werden, es würden aber nur geringstmögliche Mengen verwendet.

Das ein Pfau als Symbol auf einem Teil der Etiketten und der Kapsel verewigt wurde ist kein Zufall, denn auf dem Weingut haben neben der Winzerfamilie zahlreiche Pfauen, Enten, Gänsen, Wachteln, Hasen und Hunde ihr Zuhause.

Der trockene weiße Top-Wein “Le Grand Blanc”, ein reinsortiger Chardonnay, reift zu einen Drittel für sieben Monate im Barrique (mit Bâtonnage, langem Hefelager und BSA), der Rest wird im Tank ausgebaut und später verschnitten. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlich guter Chardonnay, der sowohl in seiner Jugend mit für einen dichten Chardonnay erstaunlicher Frische, schöner Säure, Mineralität und perfektem Holzeinsatz überzeugt aber auch wunderbar reifen kann. Dem FAZ-Weinkolumnisten Horst Dohm hat Peter Fischer übrigens eröffnet, dass er heute bei einem Neuanfang nicht mehr so sehr auf Chardonnay setzen würde, sondern mehr auf die regionalen Rebsorten Ugni Blanc und Clairette.

Der rote Spitzenwein “Le Grand Rouge” bleibt bis zu 30 Tage auf der Maische, lagert 12-14 Monate in gebrauchten Holzfässern (ein Fünftel in neuen Barriques), wird wenn nötig mit Eiweiß geklärt und nicht gefiltert. Früher waren Syrah und Cabernet Sauvignon sind zu etwa gleichen Anteilen vertreten. Neuerdings ist wohl auch Grenache dabei. Der Wein geht vor allem an die Spitzengastronomie. Ich hatte kürzlich noch einmal den wunderbar gereiften 1998er in einem Rheingauer Restaurant. Der hatte mir mit seiner wunderbaren Frucht und den sanften Tanninen schon jung sehr gut gefallen, leider ist meine eigene Kiste davon aber inzwischen leer…

Die beiden „Le Grand“-Weine sind als Vin de Pays des Bouches du Rhône klassifiziert. Mehr ist trotz bester Qualität gesetzlich nicht möglich, da nicht nur die regional vorgesehenen Rebsorten eingesetzt werden.

Die Or Série ist ein hochkonzentrierter Süßwein mit über 200 Gramm Restzucker bei 13 % vol, wie hoch der Glycerin-Anteil ist, kann man an den intensiven Schieren im Foto ganz oben erkennen. Deutliche Botrytisnoten, kandierte Zitrusfrüchte, Crème Brûlée und auch die nötige Säure (die bei vielen anderen französischen Süßwein ohne Rieslinganteil leider fehlt) für ein langes Leben. Das ist ein idealer Dessertwein – also nicht als Wein zum Dessert, sondern als eigenständiges Dessert. Passt nach meiner eigenen Erfahrung natürlich auch genial zu Foie Gras und würde wohl auch gut zu Blauschimmelkäse passen, der bei mir allerdings nie auf den Teller kommen wird.

Neben den drei langlebigen Spitzenweinen gibt es als AOC Coteaux d’Aix en Provence eine kurzlebigere Basisline in Rot (50% Grenache, 30% Syrah, 20% Cabernet Sauvignon), Weiß (40% Ugni blanc, 35% Rolle and 25% Sauvignon blanc) und Rose (70% Grenache, 15% Cinsault, 10% Syrah, 5% Carignan), sowie eine BIB (Bag in Box) mit Tafelwein für die Ortskneipen.

Seit 2002 betreibt Peter Fischer gemeinsam mit seinen beiden befreundeten Winzern Jean Michel Gérin (Côte Rotie) and Laurent Combier (Crozes Ermitage) unter dem Namen Trio Infernal ein weiteres Weinbauprojekt im spanischen Priorat (30 km südwestlich von Tarragona in Katalonien). Das Projekt scheint ein voller Erfolg zu sein, so gab es nicht nur sofort höchste Parker-Bewertungen sondern auch El Mundo, Spaniens wichtigste Tageszeitung, ernannte die 2004er Trio Infernal Cuvee No. 2/3 zu Spaniens Wein des Jahres. Der 18 Monate in neuem französischen Holz ausgebaute Wein besteht zu 100% aus Trauben von 90 Jahre alten Carignan-Rebstöcken.

Château Revelette

Peter and Sandra FISCHER
13490 Jouques, Frankreich
Tel: 33 (0)4 42 63 75 43
Fax: 33 (0)4 42 67 62 04


Über den Autor

Ralf Kaiser

Gründer von Weinkaiser.de, inzwischen einer der meistgelesenen Weinseiten im deutschen Sprachraum. Ralf ist Mitglied der Redaktion des Gault&Millau Weinguide Deutschland und diverser internationaler Weinjurys. Er verbindet die weinjournalistische Tätigkeit mit seiner langjährigen Erfahrung als Fotograf. Daneben berät er Kunden aus dem In- und Ausland beim Aufbau von Blogs und Social-Media-Aktivitäten.

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