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Okt 15

Südafrika Weinshow 2009 in Mainz – Teil 2

Am Tag nach der deutschen Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika fand im Mainzer Hotel Hyatt die Südafrika Weinshow 2009 statt, nach dem „South Africa Mega-Tasting“ in London die umfangreichste Präsentation südafrikanischer Weine in Europa. Dazu sollte man wissen, das Südafrika die Übersee-Nation ist, aus der die meisten Weine nach Deutschland importiert werden. Aus Südafrika kommt beispielsweise mehr als doppelt so viel Wein wie aus Australien nach Deutschland. Insgesamt liegt SA in Deutschland auf Platz vier der Weinimportnationen hinter Italien, Spanien und Frankreich.

An Rund 60 Ständen wurden, teilweise von den südafrikanischen Winzern selbst, teilweise von deren deutschen Importeuren ca. 650 Weine vorgestellt. Darunter fast alle bekannten Top-Weine aber auch viele Neuentdeckungen. Die interessanteste Neuentdeckung war für mich das 2005 nahe Hermanus (eine der beliebten Küstenstädte Südafrikas, ca. 120 Kilometer westlich von Kapstadt) in der Walker Bay gegründete Weingut Hermanuspietersfontein. Was Winzer Bartho Eksteen (auf dem folgenden Bild links neben dem rheinhessischen Winzer Dirk Würtz, Weinjournalist Mario Scheuermann und im Hintergrund Weinfreund Michael Gmall) in Mainz präsentierte war wirklich erstklassig. Klasse Rotweine mit „Die Arnoldus“ 2006 – einem Bordeaux-Blend an der Spitze, „Die Martha“ 2006 –  einer Cuveé nach Rhone-Vorbild mit hohem Shiraz-Anteil und dem aus 100% Cabernet Franc erzeugten „Swartskaap“ 2007, der mich vor allem aus Preis-Leistungssicht überzeugen konnte. Swartskaap kostet um die 14 Euro und ist ein Cabernet Franc einer Qualitätsstufe, die aus Frankreich (reine Cabernet Francs gibt es vor allem an der Loire) sicher selten unter dem doppelten Preis zu bekommen ist. Die Weißweine waren aber mindestens ebenso spannend: Nachdem ich mich in den ersten Stunden auf Weißwein konzentriert und durch einige Dutzend Chenin Blanc und vor allem Sauvignon Blanc probiert hatte, darunter viele bekannte Namen, wobei es sowohl wunderbare Lichtblicke als auch bittere (und saure) Enttäuschungen und einen Spalterwein gab (Springfield Estate „Life from Stone“ 2009 – ein Sauvignon Blanc mit extrem intensiven Noten grüner Paprika, grüner Bohnen und kräftiger, unreif wirkender Säure hatte offensichtlich eine Menge Fans und eine ähnlich große Anzahl Besucher, die damit überhaupt nichts anfangen konnten) setzten die Sauvignon Blanc Cuvees von Hermanuspietersfontein den krönenden Abschluss. Auch wenn auf dem Etikett meist nur Sauvignon Blanc steht, sind viele südafrikanischen Sauvignon Blancs in Wahrheit Cuvees mit anderen weißen Rebsorten. Bei den vier Weinen von Hermanuspietersfontein lag der Sauvignon-Blanc-Anteil beispielsweise bei 87% beim Basiswein „1855“, bei  91% beim „Sauvignon Blanc Nr. 3″, 88% beim „Nr. 7“ und nur 74% beim Top-Wein „Die Bartho“. Besonders der Sauvignon Blanc Nr. 3 (ca. 13 Euro) und noch mehr der geniale „Die Bartho“ (rund 16 Euro) haben meinen Geschmack getroffen: Intensive Mineralität von Fluss- und Feuersteinen, dazu Stachelbeere, Pfeffer, etwas rauchig, cremig, mit feiner frischer Säure und endlos lang. Deutschlandimport derzeit über Vinexus, in Kürze sicher auch bei anderen Händlern.

Südafrikanische Weine haben den Ruf, nicht besonders alterungsfähig zu sein. Verglichen mit Europa, vor allem Frankreich, wo Top-Weine gerne mal einige Jahrzehnte bis zu ihrem Höhepunkt brauchen aber auch viele Mittelklasseweine von 5-10 Jahren Reife profitieren (was sich erst in den letzten Jahren durch den Einfluss von Weinjournalisten wie Robert Parker zu ändern beginnt, da Parker und Konsorten früh reifende Fruchtbomben regelmäßig höher bepunkten und das ist für die jeweiligen Produzenten bares Geld wert …) hat dieser Ruf sicher auch seine Berechtigung. In Südafrika sind die allermeisten Weine, auch im gehobenen Preissegment zum sofortigen oder zumindest recht frühzeitigen Trinkgenuss ausgelegt. Aber auch hier gibt es Ausnahmen: De Toren in der Region Stellenbosch produziert seit 1999 die Cuvee Fusion V und präsentierte in Mainz die Jahrgänge 1999, 2001 und 2006. Schon der 1999er präsentierte sich noch mit einer kräftigen Struktur, wenn er auch seinen Höhepunkt mittlerweile leicht überschritten hat. Der 2001er scheint noch einmal um einiges hochklassiger, sehr kraftvoll, mit konzentrierter Frucht & feinem Tannin, derzeit in wunderbarem Zustand aber mit einigem weiteren Entwicklungspotential. Der Ebenfalls hochklassige 2006er steht erst am Anfang einer langen Entwicklung, bietet aber auch schon jetzt einigen Trinkgenuss.

Auch die Stände, die nicht von südafrikanischen Winzern selbst geleitet wurden, waren mit spannenden  Persönlichkeiten besetzt. Für den Importeur Schlumberger präsentierte die Weine beispielsweise Peter Gebler, einer der beiden einzigen deutschen Cape Wine Master. Dort Station zu machen lohnte sich doppelt. denn erstens hat Peter Gebler immer interessantes zu erzählen, zweitens präsentierte er mit dem Bordeaux-Blend Rubicon 2004 von Meerlust einen der schönsten Roten Südafrikaner.

Einer von bisher noch recht wenigen Pinots in Südafrika, der 2008er Glen Carlou Pinot Noir, kann sich zwar schon gut sehen lassen, hat aber im Preis-Leistungsvergleich gegen vergleichbare deutsche Spätburgunder noch klar das Nachsehen.


Über den Autor

Ralf Kaiser

Gründer von Weinkaiser.de, inzwischen einer der meistgelesenen Weinseiten im deutschen Sprachraum. Ralf ist Mitglied der Redaktion des Gault&Millau Weinguide Deutschland und diverser internationaler Weinjurys. Er verbindet die weinjournalistische Tätigkeit mit seiner langjährigen Erfahrung als Fotograf. Daneben berät er Kunden aus dem In- und Ausland beim Aufbau von Blogs und Social-Media-Aktivitäten.

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1 Kommentar

  1. Christian WolfNo Gravatar

    Schöner Bericht und schöne Impressionen. Da sieht man auch mal, wer der Südafrika Weinshow alles die Ehre gegeben hat… Scheuermann, Würtz, Dr. Maus,….

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