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Dez 06

Weingut Hermann Dönnhoff – Vertikale mit 21 Rieslingen aus der Niederhäuser Hermannshöhle

Nach der Heymann-Löwenstein-Probe im Frühjahr hat die Bonner Weinrunde hat eine weitere große Vertikale eines deutschen Spitzenweinguts organisiert. Das Weingut Hermann Dönnhoff aus Oberhausen an der Nahe zählt seit langem zu den berühmtesten Weingütern Deutschlands und hat auch im Ausland (vor allem in den USA) Kultstatus erreicht. Seniorchef Helmut Dönnhoff hat in den letzten 20 Jahren so ziemlich jede wichtige Auszeichnung der deutschsprachigen Weinwelt erhalten, war beispielsweise Winzer des Jahres (1999) des GaultMillau WeinGuide. Junior Cornelius Dönnhoff, der nun seit rund zwei Jahren Verantwortung im Keller trägt, scheint diese Erfolgsgeschichte nahtlos fortzusetzen. Gerade erst wurde das Weingut vom Weinführer Eichelmann für die beste Weißweinkollektion Deutschlands im Jahrgang 2010 ausgezeichnet und das Große Gewächs 2010 aus der  Hermannshöhle gewann unter 360 teilnehmenden Weinen den ersten Platz beim Riesling-Cup der Zeitschrift Der Feinschmecker.


Bei unserer Verkostung hatten wir 21 Rieslinge aus Dönnhoffs Spitzenlage Niederhäuser Hermannshöhle. Die Jahrgänge 2000 bis 2009 der trockenen Spitzenweine des Weinguts (bis zum Jahrgang 2002 als Spätlese trocken und ab 2003 als Großes Gewächs) und die gleichen zehn Jahrgänge der fruchtigen Spätlesen. Zum Abschluss gab es dann die wunderbar gereifte 1993er Riesling Auslese aus der Hermannshöhle.

Die Großen Gewächse wurden vor der Verkostung dekantiert, die reiferen einmal zwei Stunden, die jüngeren zweimal für zwei Stunden. Die 2000er Spätlese trocken wurde als einziger Wein nicht dekantiert. Die trockenen Weine wurden in der unten aufgelisteten Reihenfolge blind verkostet, die fruchtigen Spätlesen offen in der Reihenfolge von alt nach jung. Zwei Weine hatten Kork (GG 2004 und Spätlese 2001) aber der Gastgeber der Verkostung hatte zum Glück von beiden Weinen eine fehlerfreie Konterflasche im Keller, die am Ende der jeweiligen Serie verkostet wurden (das 2004er GG war also ca. eine halbe Stunde im Dekanter).

Weine aus Niederhausen sind seit dem 16. Jahrhundert für ihre hohe Qualität bekannt. Seit 1901 hat man schwarz auf weiß, dass die 8,5 ha große Hermannshöhle die höchstbewertete Weinbergslage der Nahe ist. Nachlesen kann man das in der vom damaligen Regierungspräsidenten des preußischen Regierungsbezirks Coblenz, Joseph Anton Friedrich August Freiherr von Hövel (1842 bis 1919) im Jahre 1899 in Auftrag gegebenen und 1901 veröffentlichten Klassifikation der Weinbergslagen im Regierungsbezirk Coblenz, die sich heute im Besitz des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz in Koblenz befindet.

Hermann, die erste Hälfte des Lagennamens geht unstreitig auf Hermes, den römischen Schutzgott der Boten und Reisenden zurück und ist wahrscheinlich ein Hinweis auf eine alte Kultstätte. Für die zweite Namenhälfte Höhle sind zwei Erklärungen im Umlauf: zum einen ein kleiner Bergwerksstollen im Mittelteil des Berges in dem früher Pulver für den Kupferbergbau gelagert wurde und zum anderen Hedda, die althochdeutsche Bezeichnung für Hanglage.

Die recht steile Südlage liegt direkt an der Nahe in einer Höhe von 130 – 175 m über NN. Die Böden sind größtenteils aus verwittertem schwarzgrauem Schiefer, stark vermischt mit vulkanischem Eruptivgestein, Porphyrverwitterung, Melaphyrverwitterung und Kalkstein. Feuerstein dürfte an einigen Stellen auch üppig vorhanden sein, so deutlich wie Feuersteinnoten in vielen Weinen aus der Hermannshöhle zu riechen sind.

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Spätlese trocken 2000
Wunderbare süße Zitrusfrüchte, dabei vor allem Mandarine, etwas Grapefruit, Karamell, leichte Reifetöne in der Nase, etwas salzig, minimal Botrytis, Kräuter (am präzisesten Anis), wirkt in der Nase süßlich, im Mund richtig trocken, stabile Säure, etwas herb am Ende. Die Runde gibt (84-88P), ich 87P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Spätlese trocken 2001
Am Anfang etwas Klebstoff, malzig, Botrytis, cremig, Mandarine, helle (herbe) Grapefruit, Zitrone, salzig, kalkige Mineralität, intensiver als der 2000er, leichte Pilznote, am Ende sehr herb, fast bitter. Die Runde tippt durch die intensiven Botrytisnoten/-Probleme auf Jahrgang 2006 liegt aber falsch. (84-87) 86P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Spätlese trocken 2002
In der Nase deutlich Feuerstein, rauchige Mineralität, Zitrone, Grapefruit, Ananas, diverse Kräuter. (88-91) 90P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Großes Gewächs 2008
Anis, Grapefruit, weißer Pfeffer, puristisch, elegant, trotzdem kraftvoll, komplexe frucht, sehr fein, Orangen (v.a. Orangenzesten), Grapefruit, feine Säure, lang, cremig, intensive Würze, am Ende Chilischärfe im Mund. (89-92+) 91P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Großes Gewächs 2007
Feuerstein, rauchige Mineralik, opulente Frucht, Mirabelle, Reineclaude, Curry, Kurkuma, leichte Extraktsüße, sehr kraftvoll, Säure perfekt eingebunden, Wein für Drucktrinker, ätherische Noten, wieder Chilischärfe am Ende. (90-93+) 92+P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Großes Gewächs 2009
Extrem mineralisch, man meint man leckt am Stein, in der Nase Cavaillon-Melone, grüne Banane, puristisch, feingliedrig, trotzdem viel Druck, Säure noch nicht richtig eingebunden, zur Zeit eine Rampensau, unglaubliches Potential. (91-95) 93+P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Großes Gewächs 2005
In der Nase wieder deutlich Feuerstein, die Mineralik weniger rauchig als in anderen Jahren, weißer Pfeffer, leicht malzig, reifer Apfel, leicht parfümiert, weißes Nougat, Haselnusskrokant, Sahneduft, reif, sehr rund, jetzt auf dem Höhepunkt. (91-95) 93P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Großes Gewächs 2004
Erste Flasche Kork. Konterflasche: Chilischärfe, Pfirsich in der Nase, Maracuja, Mirabelle, gelbe Früchte, Apfel, rosa Grapefruit, herbe Noten, salzig, sehr stringent, dunkle ölige Schiefernoten, würzig. (91-92) 92P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Großes Gewächs 2003
Sehr verhalten am Anfang, Frucht zurückhaltend, Karamell, Feuerstein, Nougat, Griebenschmalz, leicht gereift, gefällige cremige Textur, schönes Säurespiel am Gaumen, steinig, salzig. (90-94) 93P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Großes Gewächs 2006
Enorm intensive Frucht, rote Früchte, weißer Pfeffer, grüne Paprika, grüne Bananen, Jod am Anfang, Karamell, im Antrunk malzig, dann explodieren Frucht und Säure, ein Feuerwerk, groß, sehr salzige Textur, steinig, tänzelnd, herb am Ende. (93-96) 95P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese 2000
Getrocknete Feigen und Aprikosen, kühle Mineralik, Leder, Kokos, Creme Brûlée, Karamell, Nougat, Honig, nicht mehr besonders süß, harmonisch aber leider auch recht kurz. Von der Runde (83-89), von mir 88P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese 2001
Erste Flasche Kork. Konterflasche: Leichte Firne, kühl ätherisch, Pfirsich, Trockenfrüchte, anfangs Tee, mit Luft intensiver, wunderbar harmonisch. (90-95) 95P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese 2002
Teeblätter, Aprikose, Honig, Jod, Botrytis, saftig, mineralisch, präsente Säure, gute Länge. (87-91) 89P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese 2003
Weißer Pfirsich, Mirabelle, grüner Tee, Vanillecreme, Orangenschalen, Obstsalat, hohe Restsüße aber nicht pappig, könnte etwas mehr Säure haben, kühl, ätherisch. (86-94) 91P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese 2004
Herbe Noten, schönes Süße-Säurespiel, Pumpernickel, Tee in der Nase, Orangenzesten, mürber Apfel, Karamell. (89-91) 91P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese 2005
Kühle Mineralität, Apfelmus (grüner Apfel und Boskop zerdrückt), getrocknete Früchte (Feige), Maracuja, schönes Frucht-Säurespiel, grobere Säure, breitschultrig aber noch verschlossen, herbe Noten. (89-90+) 90P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese 2006
Zitronensäure im Mund, Grapefruit, Bitterton, unharmonisch, stark botrytislastig, Chilischärfe. (84-89+) 89+P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese 2007
Mit 9,5% Vol. höherer Alkohol als in den anderen Jahren (meist 8%), Maracuja, tropische Früchte, kühle Mineralik, ätherische Noten, toller Mix zwischen Cremigkeit und Säure, leicht herb, sehr jung, süße Kräutermischung, Wild Thing! (89-93++) 92P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese 2008
Aprikose, Pfirsich, Wiesenkräuter, Salzstangen, sehr jugendlich, stringente Mineralität, schönes Spiel zwischen Pfirsichsäure und Süße, knackige Säure, braucht Zeit. (90+-93) 92+P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese 2009
Zitrus, cremig, hefig in der Nase, Apfelkuchen, Maracuja, Steinobst, würzig mineralisch, Kapstachelbeere (Physalis), tolle Fruchtsüße, perfekte Säure. (92+-94+) 94P

Hermann Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Auslese 1993
Goldgelb, wunderbar gereift, kandierte Früchte, wunderbares Süße-Säurespiel, großer Stoff für Süßweinfans. 95P


Über den Autor

Ralf Kaiser

Gründer von Weinkaiser.de, inzwischen einer der meistgelesenen Weinseiten im deutschen Sprachraum. Ralf ist Mitglied der Redaktion des Gault&Millau Weinguide Deutschland und diverser internationaler Weinjurys. Er verbindet die weinjournalistische Tätigkeit mit seiner langjährigen Erfahrung als Fotograf. Daneben berät er Kunden aus dem In- und Ausland beim Aufbau von Blogs und Social-Media-Aktivitäten.

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