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Mai 19

Weinkaiser schreibt in der Rhein-Zeitung

Im Rahmen der Aktion „Chefreakteur für einen Tag“ (#cr41day) der Rhein-Zeitung durfte Deutschlands bekanntester Blogger Sascha Lobo am gestrigen Dienstag für einen Tag in die Rolle des Chefredakteurs schlüpfen. Heute erscheint die von ihm verantwortete Ausgabe der Rhein-Zeitung (Verbreitungsgebiet: nördliches Rheinland-Pfalz von Mainz bis an die nordrhein-westfälische Landesgrenze kurz vor Bonn).

Auf einer landesweit erscheinenden Seite stellte Kurzzeitchef Lobo dabei den drei Weinbloggern Mario Scheuermann (DrinkTank), Dirk Würtz (Würtz-Wein) und dem Weinkaiser-Blog Platz für Weintipps und ein Weingutsportrait zu Verfügung. Auf die halbe Zeitungseite passten natürlich nur Kurzfassungen der Epfehlungen. Die ausführlichen Fassungen der drei Beträge finden Sie auf der Internetseite der Rhein-Zeitung unter „Wein-Wissen aus dem Netz: Drei Blogger geben Tipps„. Die kompletten ePaper- und die PDF-Ausgaben der Rhein-Zeitung sind heute und morgen übrigens kostenlos abrufbar.

Den Weinkaiser-Beitrag finden Sie auch hier:

Immer wieder lecker:
Die zartfruchtigen Riesling Kabinett- und Spätlese-Weine vom Weingut Reinhard & Beate Knebel aus der Steillage Winninger Röttgen gehören zu den allerbesten Weinen ihrer Art. Egal ob der etwas leichtere und frischere Röttgen Kabinett, die konzentriertere Röttgen Spätlese oder die hochkomplexe Röttgen Spätlese Alte Reben:

Diese Weine mit ihren intensiven Steinobst- und Zitrusfruchtaromen, der feinen Süße, der wunderbar herben und leicht kräutrigen Mineralität und der erfrischen Säure haben hohes Suchtpotential. Diese Mosel-Rieslinge schmecken übrigens nicht nur jung. Beim Kabinett über 5-6 Jahre und bei den Spätlesen über mindestens acht Jahre werden die Aromen immer komplexer und die Süße wird im Gegenzug immer geringer wahrnehmbar. Gute Rieslinge zeigen ihr volles Potential eben meist erst mit ein paar Jahren Reife.

Die Weine wurden übrigens erst in dieser Woche gefüllt:
Winninger Röttgen Kabinett 2009 für 9 €, .
Winninger Röttgen Spätlese 2009 für 12,50 €
Winninger Röttgen Spätlese Alte Reben 2009 für 18,50 €
www.weingut-knebel.de (02606-2631)

Für ganz besondere Momente:
Trinken was die Bundesregierung und der Bundespräsident schon der britischen Königin oder US-Präsidenten servierte: Spätburgunder aus dem Recher Herrenberg vom Ahr-Weingut Jean Stodden. Die Stodden-Spätburgunder aus dem Recher Herrenberg gelten neben einer Handvoll Spätburgundern aus dem Assmanshäuser Höllenberg (Rheingau) als die langlebigsten Rotweine Deutschlands. Beim Pinot Day, einer großen Verkostung reifer Pinot Noir im vergangenen Jahr präsentiere sich ein 1992er Recher Herrenberg Spätburgunder JS von Stodden in nahezu perfektem Zustand. Die ab 2004 eingeführten Großen Gewächse dürften mindestens das gleiche wenn nichts sogar noch größeres Lagerpotential haben. Das Große Gewächs 2006 wurde 18 Tage im Maischetank vergoren, 18 Monate in zu 100% neuen Barriquefässern ausgebaut und ungefiltert gefüllt. Der Wein braucht derzeit noch viel Luft, schmeckt aber schon jetzt und wohl auch noch in 20 Jahren.
Die inneren Werte: 14 % Alkohol, 2,2 Gramm Restzucker pro Liter und 5 Gramm Säure pro Liter. Preis: 59 €. www.stodden.de (02643-3001)

Weltklasse im RZ-Land:
Noch vor 20Jahren suchte man in internationalen Weinführern meist vergeblich nach Weingütern der Untermosel. Das die Chancen dafür heute deutlich besser stehen, ist vor allem Reinhard Löwenstein zu verdanken, dessen Weingut Heymann-Löwenstein in diesen Tagen sein 30. Betriebsjubiläum feiert. Er war der erste aus dieser Region, der es zu nationaler und internationaler Beachtung brachte. Dies nutze er, um über Jahre den Begriff Terrassenmosel bekannt zu machen, der heute von Winzern und der Tourismusbranche der gesamten Region erfolgreich als Marke verwendet wird.

Reinhard Löwensteins Weine sollen vor allem das Terroir (Böden, Mikroklima, Reben, Hefen, Winzerhandwerk, etc.) seiner verschiedenen Weinberge widerspiegeln. Nach Versuchen mit knochentrockenen Weinen in den 80er Jahren, bei denen er auch noch das letzte Gramm Zucker zu Alkohol vergären ließ, hat Reinhard Löwenstein seit Anfang der 90er Jahre zu seinem Weinstil gefunden. Die trocken schmeckenden Guts- und Lagenrieslinge haben in der Regel einen Restsüßegehalt, der nahe bei der rechtlichen Grenze zwischen trocken und feinherb liegt. Da durch natürliche Jahrgangsschwankungen für ein ausgewogenes Geschmacksbild in einem Jahr mal ein paar Gramm mehr Restzucker und im anderen Jahr ein paar Gramm weniger notwendig sind, würde das für Löwenstein bedeuten, dass er mal trocken und mal feinherb auf seine Weine schreiben müsste. Um Kunden dadurch nicht jährlich zu verwirren verzichtet er ganz auf eine solche Angabe. Auch die Prädikate Kabinett, Spätlese und Auslese werden bei seinen trocken schmeckenden Weinen schon seit rund zwanzig Jahren nicht mehr angegeben.

Am liebsten würde der Winzer auch auf die Angabe der Rebsorte Riesling komplett verzichten. Bei keinem der berühmten Weißweine aus dem Burgund wird man die Angabe der Rebsorte Chardonnay auf dem Etikett finden. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb weiß jeder, der sich auch nur im geringsten mit dem Burgund beschäftigt, dass in allen Top-Lagen nur diese eine weiße Rebsorte angebaut wird. Auch als vor einigen Jahren Chardonnay groß in Mode war und die Anbauflächen weltweit immer weiter explodierten, sah man im Burgund keine Veranlassung, die Marketingpolitik zu ändern. Mittlerweile ist Chardonnay aus der Mode und z.B. in Australien sitzt man jetzt auf riesigen unverkäuflichen Mengen von der Billig- bis zur Luxusvariante. Im Burgund laufen die Geschäfte (mal abgesehen von der alle betreffenden Weltwirtschaftskrise) wie zuvor. Jetzt kommt Riesling in Mode. Aus den USA, Australien, Südafrika und Neuseeland wird regelmäßig von Ausweitungen der Riesling-Anbaufläche berichtet. Im reinen Wettbewerb um die günstigsten Preise hat Steillagenriesling von der Mosel keine Chance. Wenn aber nicht die Rebsorte, sondern das einzigartige Geschmacksbild der terrassierten Mosel-Schiefersteillagen in den Mittelpunkt gestellt wird, hat man hier ein Alleinstellungsmerkmal, das wieder mehr in den Fokus rückt ob Preis und Qualität in einem angemessenen Verhältnis stehen und nicht die Frage, ob es das selbe Produkt anderenorts auch zu Dumpingpreisen gibt. Einen Meursault gibt es eben nur im Burgund und einen Winninger Uhlen nur an der Mosel.

Reinhard Löwenstein hat die Parzellen in seinem wichtigsten Weinberg, dem Winninger Uhlen, nach ihrer Bodenbeschaffenheit in drei Schieferformationen aufgeteilt. Von Winningen aus kommend wenige Meter hinter der Autobahnbrücke beginnend mit der von Blauschiefer dominierten Schieferformation Uhlen Blaufüsser Lay, gefolgt von der besonders kalkhaltigen Schieferformation Uhlen Laubach und der rötlichen Schieferformation Uhlen Roth Lay.

Die Uhlen-Laubach Weine erinnern durch ihre kalkhaltigen Böden in manchen Jahren an große Burgunder (die eben auch auf besonders kalkhaltigen Böden wachsen) und die extrem schieferwürzigen Rieslinge aus dem Winninger Uhlen Roth Lay zählen in den letzten Jahren (zumindest 2004, 2005 & 2008) zu den größten Weißweinen der Welt. www.heymann-loewenstein.com (02606-1919)

Für Leser des Weinkaiser-Beitrags in der Rhein-Zeitung könnte dieser ausführliche Blog-Beitrag über die Weinbergslage Winninger Uhlen und eine große Verkostung von Uhlen-Rieslingen des Weinguts Heymann-Löwenstein von Interesse sein.


Über den Autor

Ralf Kaiser

Gründer von Weinkaiser.de, inzwischen einer der meistgelesenen Weinseiten im deutschen Sprachraum. Ralf ist Mitglied der Redaktion des Gault&Millau Weinguide Deutschland und diverser internationaler Weinjurys. Er verbindet die weinjournalistische Tätigkeit mit seiner langjährigen Erfahrung als Fotograf. Daneben berät er Kunden aus dem In- und Ausland beim Aufbau von Blogs und Social-Media-Aktivitäten.

Mehr unter weinkaiser.de/autorenprofil-ralf-kaiser/

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